Die Wüste lebt

Massenkunststoffe – das sind zum Beispiel die Tüten aus dem Supermarkt oder die Folie, in die man Fleisch vor dem Kühlen einschweißt. Die Fördertechnik für die Anlagen, in denen solche Kunststoffe hergestellt werden, konzipiert und realisiert Coperion in Weingarten. Für Deutschland, Europa und den Rest der Welt.
Das Reich der Scheichs in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist auf Sand gebaut. Wüsten, wohin man schaut. Aber auch moderne Städte. Glitzerpaläste, Wolkenkratzer, Shopping Malls, ausladende Autobahnen und Industrieanlagen in den Randbezirken. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich vieles am Golf verändert. Durch das Gold, das unter dem Sand liegt und das die Herrscher reich gemacht hat: riesige Öl- und Gasvorkommen. Mit dieser hervorragenden Ausgangsposition wagen die Scheichs den Sprung in die Zukunft.

Firmen aus aller Herren Länder stehen ihnen zur Seite. Mit dabei Coperion, ein Unternehmen, das mit seinem Liefer- und Leistungsprogramm keine Grenzen kennt. In China, Thailand, Indonesien, aber auch in Saudi Arabien und Kuwait, sogar in Indien und Russland stehen Anlagen, die der Weltmarktführer aus Oberschwaben entwickelt und deren Aufbau seine Experten überwacht haben. Bald also auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten – ein gigantisches Werk, in dem jährlich zwei Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt werden sollen. Drei Jahre wird es gedauert haben, bis – von der ersten Projektbesprechung bis zum Startschuss vor Ort – das Riesenunternehmen läuft. Ein Projektteam mit mehr als 20 Ingenieuren arbeitet die hochkomplexe Anlage bis ins kleinste Detail aus.

Was sie konstruiert haben, wird in der Regel bei Fremdfirmen gefertigt. Da gibt es jede Menge Aufträge für Partnerfirmen. Erst wenn die Einzelteile hergestellt sind, kann die Montage in der Wüste beginnen – auf einem Gelände etwa von der Größe einer Stadt wie Weingarten, wo Raffinerien stehen, Fabriken für die Verarbeitung der unterschiedlichsten Ölprodukte, Tanklager, Gastanks; wo eigens Straßen in den Sand gebaut werden mussten, Wasser- und Stromversorgung sowie Hallen, Häuser und Verwaltungsgebäude ohne Zahl. 1,8 Milliarden Dollar investieren die Araber hier. Mittendrin: Die Coperion-Anlage mit einer Ausdehnung von etwa anderthalb Kilometern. Allein 22 km Rohrleitungen müssen am Golf verlegt werden. Durch sie werden die Rohmaterialien oder das zu verarbeitende Granulat von einer Produktionseinheit in die nächste geschickt – pneumatisch, d.h. mit Luft, entweder langsam oder schnell, je nach dem physikalischen Verhalten der jeweiligen Kunststoffe. So etwas zu bewerkstelligen, ist eigentlich Alltag für die Experten aus Oberschwaben.

Allein die Bedingungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind extrem! Hitze von bis zu 50 Grad tagsüber, Abkühlung bis auf 0 Grad nachts. Solche gewaltigen Temperatur-Differenzen bedeuten für die Ingenieure anspruchsvolle Aufgabenstellungen. Die Auswahl der Materialien und Bauteile geschieht deshalb mit größter Sorgfalt. Denn die Anforderungen sind hoch: Am Ende muss ein qualitativ äußerst hochwertiger Kunststoff produziert sein, dem die extremen Umgebungsbedingungen nichts anhaben dürfen. Diese Anlage in der Wüste: Für Coperion ist es der größte Auftrag der Firmengeschichte. Kein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Sondern handfeste Realität im Jahr 2010 für den Weltmarktführer aus Oberschwaben.