"Da bi zi" und der Ziegenbock

Diehl Controls zählt zu den weltweit führenden Entwicklern und Herstellern von elektronischen Komponenten für die Hausgeräteindustrie. Die Produktpalette reicht von Elektroniksteuerungen bis zu individuellen Komplettsystemen. Außerdem produziert Diehl Controls Hard- und Software sowie Backend-Lösungen für intelligente Energiemanagementsysteme von Gebäuden.
Plötzlich standen sie in der Eingangshalle, die Beamten vom Zoll. Strenger Blick, stramme Haltung. Ganz Autorität. Die Herren begehrten den General Manager zu sprechen, den Chef von Diehl AKO (Nanjing). In einer wichtigen Angelegenheit. Nanjing in China; eine Millionenmetropole im Osten Chinas, 300 Kilometer entfernt von Shanghai. Gelegen in der Provinz Jiangsu, der Partnerprovinz Baden-Württembergs. Sechs Millionen Menschen arbeiten und wuseln hier in der und durch die Stadt. Eine typische chinesische Kommune im Aufbruch. Moderne Hochhäuser, Fabriken, Boulevards, Lichtreklame, internationale Firmen von Weltruf, Ausländer. Aber auch gepflegte Parks und Gärten sowie ein gewaltiger Hafen.

Eine Altstadt, die hergerichtet wird, und viele, viele bescheidene Hütten und Häuser, in denen - eng zusammengepfercht - jene leben, die noch nicht auf der finanziellen Sonnenseite angekommen sind. Und dann gibt's die modernen Gebäude von Diehl AKO, am Haupteingang eine Fahne mit Firmenemblem, flankiert von der chinesischen und der deutschen Flagge. Seit 2001 wird auch hier produziert, womit sich die Mutterfirma ihren weltweiten Ruf erworben hat - zum Beispiel Steuerungen für Waschmaschinen, Trockner, Geschirrspüler und für Keramik-Kochflächen. Auch Herdschaltuhren und Antriebssysteme. Inzwischen 500 Mitarbeiter, allesamt Chinesen. Und zwei Chefs. "Da bi zi" nennen die Chinesen sie, "Langnasen", zwei Deutsche. Eben diese wollten die wichtigen Herren vom Zoll einvernehmen. Denn ihnen war da etwas zu Ohren gekommen, das von Staats wegen nicht geduldet werden könne: Illegale Tierhaltung auf dem Werksgelände! Tierhaltung bei Diehl AKO? Die Langnasen waren verdutzt. Sollte da einer ihrer Mitarbeiter... einfach so... irgendwo vielleicht in der Lagerhalle... oder gar im Büro... Hühner oder Enten oder... ohne die Chefs zu fragen? Nein, nein, um Hühner und Enten, so konnten die wichtigen Herren die Langnasen beruhigen, gehe es hier nicht. Vielmehr: um einen Ziegenbock! Ziegenbock? Das aber kam den Langnasen erst recht spanisch vor! Ein Ziegenbock auf dem Werksgelände? Nie und nimmer! Ein Blick auf die Papiere der Zöllner löste schließlich das Rätsel: Die Übersetzung war's! The Translation. First in German, than translated in English. And finally: in Chinese! In Deutsch war's ein "Lagerbock", den Diehl AKO ausgewiesen hatte, so etwas wie eine Ummantelung für Kugellager. Daraus wurde Englisch "Warehouse Goat" - also: Lagerhaus-Bock (= Ziege). Auf Chinesisch war das "Lagerhaus" allerdings gänzlich verschwunden. Und aus Bock oder Ziege wurden Bock und Ziege = "Ziegenbock". Am Ende waren alle Missverständnisse beseitigt. Die Zöllner haben es mit eigenen Augen gesehen: Im Cang ku (Lager) gibt's jede Menge Xi yi ji (Waschmaschinen) und viel, viel Dian zi (Elektronik) aus De guo (Deutschland). Nur einen Ziegenbock - den gibt's dort nicht!