Alles LISSMAC: Hausbau
+ Putin + Schnittkanten-bearbeitung

August 2010, Nishnij Nowogorod an der Wolga. Verheerende Waldbrände bedrohen Natur und Mensch. 240.000 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen an und stehen doch weitgehend auf verlorenem Posten. Wälder, Felder, ganze Landstriche und Siedlungen brennen ab. Das Leid der Menschen ist unsäglich. Wie sollen sie leben ohne Dach überm Kopf?
Jedem, der sein Haus in der Feuersbrunst verloren hatte, versprachen damals Russlands Mächtige, Medwedjew und Putin, ein neues Haus. Das bedeutete für das von Lissmac in Semjonow zwei Jahre zuvor mit russischen Partnern hochgezogene Fertighauswerk eine Menge Arbeit. Es ist für die Herstellung von Häusern in Ständerbauweise angelegt. LISSMAC hatte dafür alle Maschinen konstruiert und gebaut, die für die Fertigung vonnöten sind. Normalerweise wurden hier sechs Häuser pro Tag hergestellt; doch nun wurde die Produktion hochgefahren. LISSMAC-Mitarbeiter rüsteten die bestehenden Anlagen weiter auf, und am Ende war der Ausstoß von sechs auf acht Häuser angewachsen – ein Hoffnungsschimmer für die Opfer der Feuerkatastrophe. Bis zum Jahresende sollen 500 Häuser gefertigt sein.

Dabei liegt der Schwerpunkt von Entwicklung und Herstellung bei der LISSMAC Maschinenbau GmbH auf ganz anderem Gebiet. Angefangen hatte es 1979 mit der Konstruktion von Baumaschinen und Sägen. Um sich von der sehr konjunkturabhängigen Baubranche abzusetzen, entwickelten die Wurzacher Ingenieure ein zweites strategisch wichtiges Geschäftsfeld - die sogenannten Handhabungssysteme. Soll heißen: Mit Druck- und Maschinenkraft werden schwere Lasten von hier nach dort transportiert. Der Mensch dirigiert, er trägt nicht mehr selbst. Solche auch als „Manipulatoren" bezeichnete Produkte werden z.B. in der Automobilindustrie eingesetzt, wo sie bei der Montage von Türen, Cockpits und Schiebedächern wertvolle Dienste leisten.

Dass LISSMAC zu den führenden Technologie-Unternehmen im mittelständischen Bereich zählt, machte die Firma 2005 mit einer Aufsehen erregenden Entwicklung deutlich. Sie löste ein Problem, mit dem sich alle herumzuschlagen hatten, die mit Blechen arbeiten. Wenn Bleche geschnitten werden, entstehen an den Schnittstellen Grate bzw. Oxide. Die bilden sich, verbunden mit Sauerstoff, beim Laser-, Autogen- und Plasmaschneiden. Sie verhindern, dass sich zum Beispiel Lacke mit den Schnittkanten verbinden lassen.
Dieses Problem hat LISSMAC durch den Bau einer Maschine gelöst, die ursprünglich nur für den Eigenbedarf genutzt werden sollte. Lissmac entschied sich dazu, diese Maschinen auch zu vermarkten. Der Erfolg gab der Firma recht - mittlerweile hat LISSMAC etwa 700 solcher Anlagen weltweit installiert. Über die Jahre wurden die Maschinen verfeinert, d.h. Module entwickelt, die die Schnittkanten mit unterschiedlichen Technologien und mit der jeweils gewünschten Intensität bearbeiten. So stehen heute einzelne Werkzeugtypen für spezielle Aufgaben wie Entgratung, Kantenverrundung und Oxidschichtentfernung zu Verfügung. Aufgrund der Modulbauweise können nun je nach Kundenwunsch die Bearbeitungsvorgänge in einen Maschinenrahmen integriert werden.

Stillstand, man sieht's, ist ein Unwort bei LISSMAC. Fähige Köpfe sinnieren schon über den nächsten Schritt, wenn der vorherige gerade erst abgeschlossen ist. Wie das bei einem führenden mittelständischen Technologie-Unternehmen eben gang und gäbe ist.